Blogartikel Juli 2017

Muskelverletzungen im Sport, Teil 2

 

von DR. RONALD ECKER

 

Ich möchte an meinen Artikel über Muskelverletzungen aus dem Monat Juni anschließen:

nach einem kurzen Ausflug über Erste Hilfe-Maßnahmen werde ich etwas genauer über die zeitlichen Verläufe von Regenerationsmechanismen schreiben und dann auf rehabilitative Maßnahme bei Muskelverletzungen eingehen.

 

Da Sie es sicherlich schon vielfach gelesen haben und es bei Erste Hilfe-Maßnahme bei Weichteilverletzungen keine Neuigkeiten gibt, möchte ich ´PECH-Regel´ nur kurz anbringen, hier besonders die 2 letzten Punkte betonen, welche trotz Wissen leider häufig vergessen werden: das ´P´ steht für Pause, ´E´ für Eis bzw. Kälteanwendung, ´C´ für Kompression und ´H´ fürs Hochlagern.

 

Diese 4 Maßnahmen sollen die bereits im 1. Artikel genannte sekundäre Schädigungsphase möglichst vermeiden. Ein Problem beim Laufsport ´in der freien Wildbahn´ ist natürlich, dass Eis und Kompressionsverbände schwierig bis gar nicht in kurzer Zeit organisierbar sind.

Die Bindegewebs- (und somit auch die Muskel-)Regeneration läuft in 3 Phasen ab:

  • Entzündungsphase bis zum 5. Tag:
    • es wird ein Milieu geschaffen, welche die anschließend stattfindende Gewebsneubildung unterstützt, Bindegewebszellen (Fibroblasten) wandern ein
  • Proliferationsphase vom 5. bis zum 21. Tag:
    • die Fibroblasten produzieren Grundsubstanz und Fasern, eine gewisse Stabilität wird erreicht.
  • Umbauphase ab der 4. Woche:
    • die Fasern werden verstärkt bzw. richten sich entsprechend den Belastungsreizen und Erfordernissen aus. Diese Phase dauert viele Woche (einige Monate).

Die physiologischen Heilungsphasen lassen sich nur unwesentlich verkürzen, jedoch bei guter Rehabilitation qualitativ optimieren, hingegen bei Nichtbeachtung der Physiologisch zeitlich deutlich rauszögern.

 

Ich möchte nun beschreiben, welche Möglichkeiten ich in den ersten 3-4 Wochen bei Muskelverletzungen anbiete; leider kann man oftmals aus verschiedenen Gründen (Kapazität, Zeit, finanziell,…) nicht das Optimum rausholen.

Die Maßnahmen müssen der momentanen Regenerationsphase sowie vor allem dem aktuellen Gewebszustand entsprechen:

  • Manuelle Lymphdrainage (keine harten Massagetechniken in den ersten paar Tagen)
  • Hochdosierte Enzymtherapie
  • Infiltrationstherapie (u. a. Actovegin und Traumeel) während der Entzündungsphase
  • Homöopathische (Traumeel, Lymphomyosot/Lymphodiaral) sowie orthomolekulare Therapiemaßnahmen (hochdosiert Vitamin C – optimalerweise in Infusionsform, Zink, Magnesium)
  • Magnetfeldtherapie (hochdosiert mit PapIMI)
  • Mesotherapie

 

Ein ganz wesentlicher Teil der Rehabilitation ist die medizinische Trainingstherapie:

das Training von Kraft, Beweglichkeit und Gleichgewicht bzw. Koordination soll moderat beginnen und dann sukzessive hinsichtlich Umfang, Intensität und Spezifität gesteigert werden. Ich empfehle, dass die Trainingstherapie in den ersten Wochen von einem Sportphysiotherapeuten bzw. von einem erfahrenen Trainer begleitet wird. Die genannten Maßnahmen gelten für alle Muskelverletzungen (Einteilungen siehe Artikel in der letzten Laufsport-Ausgabe), ganz speziell jedoch für die Typ 1-Verletzungen sowie die direkten Muskelverletzungen.

Bei Typ 2-Verletzungen muss die Aufmerksamkeit verstärkt dem Rücken bzw. den die Muskeln versorgenden Nerven geschenkt werden. Bei strukturellen Muskelverletzungen muss ab einem gewissen Ausmaß die Indikation zum operativen Vorgehen hinterfragt werden.

 

 

Ich wünsche allen Laufbegeisterten möglichst keine Muskelverletzung. Im Falle eines Auftretens empfehle ich, einen erfahrenen Therapeuten (idealerweise Sportarzt + Physiotherapeut/Trainer) aufzusuchen, am effizientesten ist meines Erachtens der kombinierte Einsatz verschiedener Rehabilitationsmaßnahmen.