Blogartikel März 2017

Mikronährstoffe im Sport – Jede Zelle braucht Eisen

 

von DR. RONALD ECKER

 

Nach allgemeinen Informationen und Details zu Magnesium geht es diesmal um die Ermittlung von Mikronährstoffmängeln und dem Spurenelement Eisen.

 

Stark betonen möchte ich allerdings, dass eine hochwertige Ernährung die Basis für Gesundheit und Leistungsfähigkeit darstellt. Es funktioniert ganz sicher nicht, eine “schlechte“ Ernährung mit der Einnahme eines Multivitaminpräparates zu kompensieren.

Für einen Therapeuten bzw. Trainer gibt es zwei Möglichkeiten, zu einer konkreten Empfehlung für die evtl. Einnahme eines Nahrungsergänzungsmittels zu kommen:

  1. Empfehlungen anhand von Erfahrungen und entsprechend der Anforderungen einer Person. Im Laufsport geht es um einen deutlich erhöhten Energieumsatz, um Regeneration und um Prävention von Infekten.
  2. Aufdecken von Defiziten im Mikronährstoffstatus mittels Blutanalyse, auf Basis dessen und mit dem Wissen um o. g. Anforderungen wird dann ein Substitutionsplan erstellt. Der deutliche Vorteil bei diesem Vorgehen ist, dass individuelle Schwächen – welche höchstwahrscheinlich auch in Zukunft bestehen bleiben – umso forcierter und hochdosierter therapeutisch verfolgt werden können.

Bei einigen wichtigen Mineralstoffen (z. B. Magnesium), Spurenelementen und Vitaminen macht es keinen Sinn, diese im “normalen“ Labor und somit im flüssigen Blutanteil messen zu lassen, da diese vornehmlich in den (Blut-)Zellen vorkommen und eine Messung lediglich einer Momentaufnahme entsprechen würde. Erst mittels “Vollblutanalyse“ – also einer Analyse der Mikronährstoffe auch in den Blutzellen – kann die Nährstoffsituation der letzten Wochen exakt dargestellt werden.

 

ELEMENTARER BAUSTEIN

Eisen ist das häufigste Spurenelement im Körper, jede unserer Körperzellen braucht Eisen. Als elementarer Baustein des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin ist es für den Sauerstofftransport im Blut sowie für die Sauerstoffübertragung im zellulären Energiestoffwechsel unerlässlich. Eine gute Eisenversorgung ist deshalb beim Ausdauersportlicher eine Voraussetzung für eine optimal physische und mentale Leistungsfähigkeit sowie für eine gute Funktion des Immunsystems. “Nebenbei“ wird Eisen auch im Bindgewebs-Stoffwechsel (Knochen, Knorpel, …) sowie bei der Produktion von gewissen Nervenbotenstoffen wie auch dem Schilddrüsenhormon benötigt.
Ausdauersportler weisen eindeutig erhöhte Eisenverluste auf: über den Magen-Darm-Trakt (Mikroblutungen der Schleimhaut wegen Minderdurchblutung während intensiverer sportlicher Aktivität), über Schweiß und Urin, beim Läufer offensichtlich auch über eine mechanische “Zerstörung“ von roten Blutzellen in der Fußsohle. Bei Frauen kommt noch ein monatlicher Verlaust von 15–30 mg Eisen im Rahmen der Menstruation hinzu.
Wenn ein Eisenmangel längerfristig besteht, kann sich daraus eine Blutarmut (Anämie, mit verkleinerten roten Blutzellen) entwickeln, dann ist auch der “normale Alltag“ kaum mehr zu bewältigen. Auch ohne Anämie können beträchtliche Beschwerden durch einen Eisenmangel ausgelöst werden, das sogenannte “Eisenmangelsyndrom“ (IDS, Iron Deficiency Syndrom):

  • Erschöpfungszustand
  • Konzentrationsstörungen, depressive Verstimmung, Schlafstörung
  • Schwindel, Kopfschmerzen
  • Restless legs (ruhelose Beine), Haarausfall, Nagelbrüchigkeit

Substituieren darf man Eisen nicht, ohne zumindest einmal im Leben eine Laboranalyse durchführen zu lassen, zu häufig kommt in der nord- bzw. mitteleuropäischen Bevölkerung eine genetisch bedingte Eisenüberladung vor, ca. 0,1–0,2 % leiden unter einer relevanten Form von Hämochromatose. Die Messung des Eisenstatus ist einfach: rotes Blutbild, MCV (Größe der roten Blutzellen), Ferritin (Speichereisen, zumindest > 50µg/l). Komplizierter wird die Analyse bei Vorliegen von Entzündungen bzw. chronischen Erkrankungen, dann muss man weitere Blutparameter einsetzen.

 

EINNAHME

Zumeist lässt sich ein relevanter Eisenmangel nicht über die Ernährung beheben, zumal viele Menschen Fleischkonsum bewusst reduzieren bzw. überhaupt meiden – dafür gibt es einige schlagkräftige und auch medizinische Argumente. Die Eisenzufuhr in Kapselform wird leider häufig schlecht vertragen, ein Abstand zum Essen und idealerweise die gleichzeitige Zufuhr von Vitamin C soll eingehalten werden. Versucht werden soll dann die Einnahme von Eisenpräparaten in niedrigerer Dosis (< 50mg/Tag), alternativ die Anwendung eines pflanzlichen Produkts in Form eines Curryblatt-Extrakts, welches offensichtlich gut verträglich ist und relativ gut resorbiert wird.

 Bei starkem Eisenmangel oder wenn der Mangel rasch behoben werden soll, führt kein Weg an einer Eisenzufuhr in Infusionsform über die Venen vorbei: ich weiß um die Nebenwirkungen (Unverträglichkeitsreaktionen) dieser parenteralen Eisengabe (unter Umgehung des Darmes). Trotz sehr häufiger Anwendung konnte ich diese noch nie beobachten, eine Notfallausrüstung sowie die Kenntnis von Nofallmaßnahmen sind ohnehin für jeden Arzt obligat.

 

In der nächsten Ausgabe werde ich weitere, für Laufsportler relevante Mikronährstoffe beschrieben.