Blogartikel Oktober 2017

Runners knee

 

Im folgenden Artikel geht es einerseits um Allgemeines zu Laufüberlastungen. Speziell jedoch um das in Läuferkreisen nicht selten vorkommende Tractus iliotibialis Friction-Syndrom.

 

Von DR. RONALD ECKER

 

Dass Laufen für die Gesundheit eine Menge an Vorteilen bringt, ist mittlerweile unumstritten: eine große Anzahl an Studien belegt deutliche Reduzierungen von Herzkreislauf- und Stoffwechselproblemen durch regelmäßiges Lauftraining. Genetisch sind wir geschaffen für das Bewältigen von langen Distanzen zu Fuß, Langstreckenlauf ist keine Erfindung unserer Zeit. Prinzipiell wäre regelmäßiges Lauftraining auch eine Wohltat für unseren Bewegungsapparat, ganz im Gegensatz dazu stehen die Laufsportverletzungen. Gott sei Dank sind diese zumeist nicht schwer, jedoch oftmals langwierig und zwingen uns Läufer so zu Trainingspausen.

 

WIE ENTSTEHEN DIESE VERLETZUNGEN?

Ein akutes Trauma liegt seltener zugrunde, meistens handelt es sich bei den Laufverletzungen um Überlastungsschäden durch ein länger dauerndes Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit. Es gibt viele Gründe für eine Überlastung, zumeist lässt sie sich jedoch auf zwei Ursachen reduzieren:

  • zu rasch zu viel Lauftraining, der Körper hinkt also mit der Anpassung hinterher.
  • zu einseitiges Training mit folgender muskulärer Dysbalance.

 

Sollte eine akute Verletzung – als Klassiker z. B. eine Umkippverletzung des oberen Sprunggelenks – auftreten, so empfehle ich – wenn organisatorisch möglich – unbedingt und möglichst frühzeitig die Regel ´PECH´ (Abkürzung für: Pause, Eisanwendung, Compression und Hochlagern) zu verfolgen. Man möchte dadurch eine übertriebene Einblutung ins verletzte Gewebe und somit eine verzögerte Rehabilitation vermeiden. Oftmals wird gerade auf die Kompression vergessen.

 

Genauer beschreiben möchte ich einige lauftypische Überlastungsbeschwerden, diesmal das “Iliotibialband-Syndrom“, exakt genannt “Tractus iliotibialis Friction-Syndrom“. Die Bezeichnung “Läuferknie“ ist schon schwammiger, da damit auch oft eine andere Knieproblematik bezeichnet wird. Durch zu starkes Reiben des festen Gewebsstrangs der gesamten Außenseite des Oberschenkels (= Tractus iliotibialis) knapp oberhalb des Knies (am Epicondylus des Oberschenkelknochens) bei zirka 30° Kniebeugung kommt es hier lokal zu Reizungen und Entzündungen. Bei jedem Laufzyklus wird diese Kniebeugung zwei Mal erreicht. Die Schmerzen werden streng begrenzt außenseitig und knapp oberhalb des Knies angegeben, zumeist beginnen sie nach wenigen Laufminuten. Die Schmerzintensität zwingt zumeist zum Trainingsabbruch, oft sind die Beschwerden dann sehr rasch wieder verschwunden. Ursache: Bei jedem Lauftraining streift der Gewebsstrang (Tractus) tausendfach über die zuvor beschriebene Stelle des Oberschenkels (Epicondylus).

 

Wieso leidet nun nur ein kleiner Anteil der Läufer an diesem Problem?

Hauptursache dürfte eine zu schwache Hüft- bzw. Gesäßmuskulatur sein, durch welche das Standbein im Laufzyklus unzureichend stabilisiert wird. “Langsames“ Laufen (Fettstoffwechseltraining, Ermüdung …) mit “zu kurzen“ Schritten unterstützt das Absinken der Hüfte bzw. das “Reinfallen ins Knie“. Ob auch “O-Beine“ und eine künstliche Hemmung der Pronation durch nicht indizierte Pronationseinlagen eine Rolle spielen, wird kontrovers diskutiert.

Therapie des Tractus Friction-Syndroms: Nachdem diese Überlastungsbeschwerden sehr hartnäckig sein können – ein Ausfall über mehrere Wochen ist keine Seltenheit – empfehle ich aktives Vorgehen:

  • In der akuten Phase kann und soll mit Kälteanwendung in jeder Form örtlich therapiert werden, manchmal ist sogar eine einmalige Infiltration sinnvoll, lokale Massagen sind eher kontraproduktiv!
  • In den Schmerz hinein trainieren hat keinerlei Sinn – dies würde die Entzündung nur anheizen.
  • Langfristig erfolgreich ist ein konsequentes tägliches Training der Gesäßmuskulatur (vor allem der Abduktoren): dies ist die wichtigste Maßnahme, erfordert jedoch ein gehöriges Maß an Disziplin, da das Kräftigungstraining nicht so “richtig spannend“ – aber wirksam ist.
  • Weitere mögliche Maßnahmen sind: Variieren des Lauftempos, Variieren des Laufgeländes, Vermeidung zu starker Fußkorrekturen, wenn sie nicht indiziert sind, physiotherapeutische Maßnahmen [passive Mobilisierung der (steifen) Fußwurzel, intensive (Bindegewebs-) Massagen des Tractus ilitiobialis in ganzer Länge, …] – diese Maßnahmen sind jedoch nutzlos, wenn auf die oben genannte Kräftigung der Hüftstabilisatoren vergessen wird!

 

FAZIT

Ich wünsche keinem Läufer, ein Tractus Friction-Syndrom zu erleiden. Sollte es jedoch dazu kommen, ist diese Art von Überlastung definitiv unter Kontrolle zu bringen, Spätschäden sind keine zu befürchten.