Blogartikel September 2017

Spaßbremse Achillessehne

Prävention von Überlastungsbeschwerden

 

Die Achillessehne ist das exponierteste und somit verletzungsträchtigste “Organ“ des Läufers.

 

von DR. RONALD ECKER

 

Die Sehne erhält Fasern des Zwillingswaden- sowie des Schollenmuskels, durch den torquierten Aufbau sowie durch die Mikrostruktur des Sehnengewebes wirkt sie wie eine Feder, welche bei Dehnung viel Energie speichert, um diese dann beim Abdruck in Form einer Plantarflexion im oberen Sprunggelenk freizugeben. Die Belastungen für die Achillessehne sind unglaublich, bei Sprüngen können Kräfte von über 1.000 kg entstehen!

 

Prinzipiell gibt es – abgesehen vom Achillessehnenriss – zwei Pathologien:

  • Die Peritendinitis:
    • eine Entzündung des Sehnen-Gleitgewebes. Hier kommt es zur spindelförmigen Schwellung, nicht selten auch zu Reibegeräuschen. Meines Erachtens ist diese Form einer Therapie eher leichter zugänglich, die Prognose ist gut.
  • DieTendinose/-itis:
    • hier ist das Problem in der Achillessehne selbst gelegen, am häufigsten ist die Region zwei bis sechs Zentimeter oberhalb des Fersenbeins betroffen. Typisch sind eng umschriebene Druckempfindlichkeiten oder lokalisierte Verdickungen, vornehmlich innenseitig der Sehne gelegen. Eine zweite Häufungsstelle ist der Ansatzbereich am Fersenbein. Eine “Haglund-Exostose“ (hinterer Fersensporn) ist nicht erfreulich, da der Krankheitsverlauf dann tendenziell schlechter ist. Typisch sind Schmerzen zu Belastungsbeginn, welche dann nach wenigen Minuten verschwinden, bei langen Laufbelastungen teilweise wieder auftreten (= Stadium 2 einer Tendinose).

 

TENDINOSE! WAS TUN?

Nachfolgend einige praxisrelevante Tipps:

  • Dehnen der Wadenmuskeln in gestreckter sowie in gebeugter Knieposition ist okay, wenngleich Effektivitätsstudien fehlen.
  • Belastung ausschließlich bei aufgewärmter Achillessehne, u. a. sollen in der kühlen Jahreszeit lange Socken getragen werden, auch sanfte lokale Massagen vor Trainingsbeginn zählen zu den wärmenden Maßnahmen.
  • Verschiedene Lokaltherapien können angewendet werden:
    • bei akuter Entzündung kann man kühlend, später wärmend einwirken (Salben, Hausmittel …)
    • Therapeut/Arzt: Querfriktionen, Softlaser, Ultraschall, “Fascientherapien“ auch der Wadenmuskulatur, Mesotherapie u. a. - Gelenksprobleme der Fußwurzel oder der Großzehenstreckung müssen hinterfragt und evtl. behandelt werden (Mobilisierung …)
  • Exzentrisches Training erfordert ein gehöriges Maß an Disziplin, ist jedoch effektiv:
  1. Stand, beide Füße auf einer Stufe, nur der Vorfuß wird belastet
  2. In den Zehenspitzenstand mit der nicht betroffenen Seite
  3. Gewichtsverlagerung auf die betroffene Seite
  4. Exzentrisch Ferse senken, tiefer als das Vorfußniveau
    • täglich drei Sätze zu je 15 Wiederholungen jeweils mit gestreckten und gebeugten Knie, 2 x/Tag, über 12 Wochen! Bei Schmerzfreiheit Steigerung des Widerstandes (Zusatzgewichte).
  • Indikationsstellung für Pronationsstützen ist in Wirklichkeit komplex, alternativ können Schuheinlagen zeitlich limitiert einfach versucht werden. Zeitlich limitiert werden muss auch eine eventuelle Fersenerhöhung im Schuh.
  • Wenn nichts weitergeht, ist noch die Anwendung von Nachtschienen möglich, allerdings ist dies für Betroffene sehr zäh: Das Sprunggelenk wird dadurch über viele Stunden in einem 90-Grad-Winkel gehalten, eine Stauchung der Sehne wird verhindert.

 

DARF MAN MIT ACHILLESSEHNENBESCHWERDEN LAUFEN?

Ja, wenn …

… die Beschwerden nach Beendigung des Lauftrainings rasch verschwinden.

… die Schmerzen nicht sukzessive schlimmer werden.

 

Leider muss ich in meiner Praxis nicht selten beobachten, dass ambitionierte Läufer trotz guter und konsequenter Therapie bei wieder gesteigertem Trainingsumfang nie ganz beschwerdefrei laufen und dann auf ein Mischtraining Laufen – Radfahren umsteigen.

 

ALLGEMEINES ZUR PRÄVENTION VON ÜBERLASTUNGSBESCHWERDEN

Zwei wesentliche Punkte müssen eingehalten werden, um die Wahrscheinlichkeit von Problemen zu verringern (eine Garantie gibt es für nichts im Leben):

  1. Sukzessive angepasste Steigerung des Laufumfangs: für diejenigen, welche gerne mit Zahlen arbeiten, gibt es die 10-Prozent-Regel – u. a. soll der wöchentliche Trainingsumfang um nicht mehr als 10 % gesteigert werden. Natürlich ist diese Vorgabe nur für (Wieder-)Einsteiger von Relevanz.
  2. Begleitende Muskelkräftigung sowie sensomotorisches Training: Hobbyläufer sollen/können ganzjährig nach der Hypertrophie-Methode trainieren (10–15 Wiederholungen/Übung, Intensität hoch), für wettkampforientierte Läufer ist diese Trainingsmethode im Winter okay, ab dem Frühjahr ist auf jeden Fall das funktionelle Training/Athletiktraining zu bevorzugen. Dazu kommt noch eine gewisse Sensibilität gegenüber dem eigenen Körper. Zeichen von Überlastungen müssen ernst genommen werden: Laufbelastungen müssen sofort reduziert werden, wenn trotzdem der Erfolg ausbleibt, muss rasch kompetente therapeutische Hilfe gesucht werden.