Wenn plötzlich die Luft wegbleibt - Laufen und Asthma

Gesundheit

 

Wieso haben so viele hochklassige Ausdauerathleten Asthma bronchiale? Bringen Asthmasprays Vorteile für die Leistungsfähigkeit? Kann ein Sportler mit Belastungsasthma hohe Leistungen bringen? 

 

von Dr. Ronald Ecker

 

Unter Sportlern ist belastungsinduziertes Asthma nicht selten. Doch in den 1980er- und 1990er-Jahren gewann man den Eindruck, Belastungsasthma sei ansteckend. Wie eine Epidemie verbreitete es sich unter den Spitzensportlern weltweit. Teilweise ´bezeichneten sich´ bis zu 80 Prozent der AthletInnen in manchen Sportarten als Asthmatiker. Dadurch durften sie Medikamente konsumieren, die auf der Dopingliste stehen und von denen sie sich Vorteile erhofften. Inzwischen haben sich die Dopingregularien geändert und auch die Häufigkeit von Asthma bei Ausdauerathleten. Über alle Sportarten hinweg betrachtet, liegt die Häufigkeit zwischen 5 und 10 Prozent. Das ist vergleichbar mit dem Vorkommen in der Allgemeinbevölkerung. Bei einigen Sportarten sind jedoch bis zu 25% der AthletInnen betroffen. Das ist vor allem in den Ausdauersportarten der Fall, in denen neben hohen Trainingsumfängen zusätzliche Faktoren die Lunge reizen können: bei nordischen Disziplinen (Langlauf, Biathlon) ist es vor allem die kalte Luft, bei Läufern, Radfahren und Triathleten evtl. gesundheitsschädliche Stoffe in der Luft. Bei Eisschnellläufern Stickoxide von Kältemaschinen oder Feinpartikel von Poliermaschinen und bei Schwimmern chlororganische Verbindungen.

 

Die Frage ist: verschafft die Einnahme von Asthmasprays Leistungsvorteile? Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass inhalative Asthmamitteln in einer medizinisch adäquaten Dosierung die Leistung von Sportlern ohne Asthma nicht steigern kann. Durch die Medikation wird es Asthmatikern aber ermöglicht, ihren Sport auf hohem Niveau auszuführen. Hohe sportliche Leistungen können natürlich nur bei leichteren Formen von Asthma gebracht werden, bei langjährigen und schwereren Verläufen wird die Lunge zum leistungslimitierenden Faktor.

 

Ein schwerer Fehler wäre die Empfehlung, aufgrund der Diagnose Asthma bronchiale keine sportlichen Belastungen zu absolvieren. Wer die Atemnot zum Anlass nimmt, sich körperlich zu schonen und Anstrengungen zu vermeiden, riskiert eine weitere Verschlechterung der Lungenfunktion. Verantwortlich dafür ist die Abnahme von Muskelmasse – auch die der Atemmuskulatur – Kraft und allgemeiner körperlicher Belastbarkeit. Seit Jahren ist es in der Medizin ohnehin Standard, sportliches Training als Teil der Asthmatherapie zu sehen.

 

Die Diagnosestellung eines schwereren Asthmas ist relativ einfach: die Schilderung der betroffenen Person sowie eine einfache Spirometrie ist ausreichend. Deutlich schwieriger ist die korrekte Diagnose einer leichten Asthmaform – dazu gehört eben auch das belastungsinduzierte Asthma: Eine Provokationstestung durch einen Ausbelastungstest auf einem Rad- oder Laufbandergometer mit anschließend mehrmaliger Spirometrie ist diagnostischer Standard, bringt jedoch nur selten den erwünschten Aufschluss. Eine Ergospirometrie ist deutlich hilfreicher, zumal man bei modernen Gerätschaften die Verengung der Bronchien auch während der Belastung messen kann.

 

Allergiker sollen natürlich während der Allergie-Hochsaison nicht unbedingt intensive Trainingseinheiten während der höchsten Pollenbelastung im Freien absolvieren und in dieser Zeit evtl. Antihistaminika zur Senkung der Histaminbelastung einnehmen. Zudem sollen Menschen mit allergiebedingtem Asthma gewisse Nahrungsmitteln, welche Kreuzallergien auslösen können – speziell Nüsse – reduzieren oder vermeiden. Dennoch ist eine inhalative medikamentöse Therapie oftmals nicht zu umgehen: bei leichter Form soll 30min vor dem Sport ein kurzwirksames Betamimemetikum inhaliert werden: dieses erweitert die kleinen Bronchien, welche von der Entzündung im Rahmen der Asthmaerkrankung betroffen sind. Häufig ist zudem ein Asthmaspray mit Kortison vonnöten, um die besagte Entzündung zu reduzieren und zu kontrollieren.

 

Somit möchte ich zusammenfassen: trotz Asthma ist Sport möglich und sogar sehr günstig. Ausdauersport auf hohem Level wird nur bei leichter Asthmaform realistisch sein, bei schwerem Asthma ist Bewegung im Sinne von medizinischer Trainingstherapie Teil des therapeutischen Gesamtkonzeptes.