Laufen erhöht die Lebenserwartung

Gesundheit

 

 Alkohol, Rauchen, Zucker... So viele Methoden, um seine Lebenszeit strategisch zu verkürzen. Doch nicht kürzer, sondern länger wollen wir leben, und das vor allem GESUND!

 

 

von Dr. Ronald Ecker

 

In den letzten Jahren wurde Laufen bzw. Ausdauersport in Verbindung mit verstärktem Auftreten von Herzerkrankungen gebracht. Das stimmt teilweise: so ist z. B. während eines Marathonlaufs das Herz wirklich sehr stark belastet – erhöhte ´Herzenzyme´ bei 30% der Marathon-Finisher belegen dies. Erhöhtes Auftreten von Vorhofflimmern von ehemaligen leistungsorientierten Ausdauerathleten in Vergleich zu ´Freizeitläufern´ ist ja leider auch Tatsache. Allerdings: ´Sola dosis facit venenum´ wusste schon Paracelsus: Leistungssport ist nur teilweise gesund, teilweise wird Raubbau am Körper betrieben.

 

Die Statistik lügt nicht, wenn der Leser diese kritisch betrachtet. Die Studien sprechen dann doch eine ziemlich eindeutige Sprache: 1 Grundaussage – natürlich sehr verallgemeinernd und natürlich nicht auf den einzelnen Menschen anwendbar – liest man immer wieder. Diese Grundaussage stelle ich auf 2 verschieden Arten vor:

  1. Laufen kann knapp über 3 Jahre Extra-Lebenszeit bringen
  2.  1 Stunde Laufen verlängert die Lebenszeit statistisch um 7 Stunden

Wenn ein Mensch 40 Jahre lange 2 Stunden pro Woche Lauftraining absolviert und dadurch 3,2 Jahre an Lebenszeit gewinnt, hat er für die reine Laufzeit insgesamt weniger als 6 Monate verwendet.  Und selbst wenn man die Laufzeit von den gewonnenen Lebensjahren abzieht, ist der Benefit eindeutig.

 

Zudem gibt es durchs Lauftraining auch viele andere positive Faktoren – Wohlbefinden, soziale Erlebnisse, Entspannung und Ausgleich. Solche Argumente allerdings braucht man Leser dieser Zeitschrift nicht wirklich bringen….

 

2 Fragen tun sich auf:

  1. Wirken andere Ausdauersportarten genauso lebenszeitverlängernd?
  2. Gibt es eine optimale lebenszeitverlängernde Dosis fürs Lauftraining?

Effekte verschiedener Sportarten hinsichtlich Lebenszeit wurden in einer Studie verglichen, hierbei stieg das Laufen als eindeutiger Sieger aus. Wieso ist das so? Weil Laufen der ideale Sport ist für Menschen mit wenig Zeit und somit regelmäßiger und langfristiger betrieben werden kann? Weil Laufen eine Sportart ist, bei der ein recht großer Anteil des Körpers beteiligt ist, somit eine effektive Form des Ganzkörpertrainings darstellt? Weil Laufen und Gehen die natürlichen Bewegungsformen des Menschen darstellen, wir nach wie vor wie Steinzeitmenschen funktionieren: für lange Wanderungen für die Futtersuche ist der Körper genauso wie für kurze intensive Laufbelastungen für die Jagd ausgerichtet – ist dies das Argument, welches fürs Laufen spricht? Wie so oft wird nicht ein einziges Argument alleine kaum ausreichen.

 

Über die optimale Laufdosis (Umfang, Intensität) gibt es viele Diskussionen. Der ideale Wochenumfang als gesundheitsschützender Faktor dürfte zwischen 2 und 4 (oder etwas mehr?) Trainingsstunden liegen, mehr Training bringt dann ´nur mehr´ Leistungszuwachs und keinen zusätzlichen gesundheitlichen Benefit. Noch schwieriger zu beantworten ist die Angabe zur Intensität: mittelintensives Training dürfte hier am meisten bringen – das entspricht dem sogenannten ´Wohlfühltempo´, der ´Talktest´ kann als einfaches Steuerungsinstrument verwendet werden: das Sprechen ganzer Sätze ist noch möglich, erfordert jedoch bereits Anstrengung. Bei einer Leistungstestung wäre dies der Übergangsbereich zwischen den beiden Schwellen. Allerdings entsteht aktuell ein sehr spannender Trend im leistungsorientierten Ausdauertraining, welches möglicherweise in Zukunft auch Eingang im gesundheitsorientierten Training finden wird: das Konzept des polarisierten Trainings: trainiert wird vornehmlich in niedrigeren Intensitäten und zu einem gewissen Prozentsatz in sehr hohen Geschwindigkeiten, der mittlere Bereich wird Großteils ausgelassen.

 

Wie auch immer: man kann zu Recht behaupten, dass es ein Risikofaktor ist, nicht zu laufen. Abgesehen von orthopädischen Problemen durchs Laufen, welche ohnehin zu einem großen Teil vermeidbar wären, kann man somit uneingeschränkt Werbung für den Laufsport als hocheffiziente gesundheitsschützende Maßnahme machen.