Läuferherz und Co. - Sportmuffel vs. Hochleistungssport

Gesundheit

  

 Positive physische Anpassungen gibt es zahlreich, wenn man regelmäßig die Laufschuhe schnürt und eine Runde im Park dreht. Aber wer lebt "gesünder"? - Der Sportmuffel, welcher 1-2 Mal im Monat sportelt, oder der Hochleistungssportler, welcher 1-2 Mal pro Tag ins Sportgewand schlüpft? Die Wahrheit liegt - wie immer im Leben - irgendwo dazwischen.

 

 von Dr. Ronald Ecker

Oft ist die berühmte ´Goldene Mitte´ das Ideal. So sind Bewegungsmuffeln definitiv von vorzeitigen gesundheitlichen Problemen bedroht und erleiden dadurch häufig eine Minderung der Lebensqualität. Wir Menschen sind genetisch nicht geschaffen fürs ständige Sitzen. Andererseits bewegen sich auch Hochleistungssportler auf einem schmalen gesundheitlichen Grad. Wieso diese dennoch sehr gesund sind, liegt darin begründet, dass (semi-)professionelle Sportler penibel auf ihren Körper achten.

Interessant und für mich immer wieder faszinierend sind die Änderungen der leistungsbestimmenden Organe Herz-Kreislauf, Blut und Lunge und deren Funktionen auf dem Weg vom ´Otto Normalverbraucher´ hin zu Ausdauer-Leistungssportlern. Einige von uns werden sich irgendwo in der Mitte einordnen lassen, viele Leser unserer Beiträge sehr wohl auch deutlich rechts davon – also mit bereits deutlich leistungsadaptierten Organen.

 

HERZ-KREISLAUF:

Der erste merkbare Trainingseffekt ist die Abnahme der Pulsfrequenz in Ruhe und bei submaximalen Belastungen. Die maximale Herzfrequenz ändert sich kaum bzw. kann bei entsprechend intensivem Training evtl. sogar etwas angehoben werden. Parallel dazu, wenngleich leider oft nicht ganz so eindrücklich, sinkt der Blutdruck ebenso in Ruhe und bei submaximalen Belastungen: diese Tatsache ist bei Bluthochdruck therapeutisch einsetzbar.

Als sogenanntes ´Sportlerherz´ wird eine Herzwandverdickung bei gleichzeitiger Vergrößerung der Innenräume des Herzens bezeichnet. Laut Literatur entstehen solche Veränderungen frühestens ab einer Ausdauer-Wochentrainingszeit von 6 Stunden aufwärts. In höchster Ausprägung kann sich dadurch das sogenannte Herzminutenvolumen verdoppeln; pro Minute kann bei einem hochtrainierten Ausdauerathleten die doppelte Menge Blut durch den Körper fließen als bei einem gesunden Nichtsportler.

Um den Blutdruck nicht durch den deutlich erhöhten Blutfluss in die Höhe zu treiben, wird parallel dazu durch den chronischen Trainingsreiz der Durchmesser der kleinen Schlagadern vergrößert und die Zahl der kleinen Haargefäße erhöht, außerdem die Blutgefäße allgemein elastischer.

 

LUNGE:

Spannenderweise kann sich die Lunge auch durch langjähriges Training nicht/kaum anpassen, es wird die Lungenkapazität bei hohen Belastungen Ausdauertrainierter lediglich mehr ausgereizt. Einzig anpassen tut sich die Atemmuskulatur (Zwerchfell und Zwischenrippen-Muskeln), möglicherweise ein leistungsmittelbestimmender Faktor.

 

BLUT:

Das Blutvolumen kann von gesamt 5l auf bis 7 oder sogar 8l ansteigen, sowohl der Zellanteil und somit das Sauerstoff-transportierende Hämoglobin als auch das Blutplasma (der flüssige Anteil) nimmt dabei zu. Viele Ausdauerathleten haben das Problem, dass das Plasma relativ mehr zunimmt und es somit zu einem Abfall der Zellanteils (Hämatokrit) kommt – dies vor allem in harten Trainingsphasen.  Nachdem der Hämatokrit und somit das Hämoglobin ganz entscheidende leistungsbestimmende Faktoren sind, wird alles getan, um diese Parameter anzuheben: optimale Regenerationsmaßnahmen und Ernährung, hochdosierte Substitution von mangelhaften Mikronährstoffen (u. a. Eisen), Übernachten im Höhenzelt über lange Zeiträume sowie Höhentrainingslager. Eine medikamentöse Hämatokrit-Anhebung ist natürlich sehr effizient, allerdings birgt die Injektion von Erythropoetin gesundheitliche Risiken. Epo-Doping ist natürlich verboten und absolut abzulehnen, die Fairness soll gerade im Sport an oberster Stelle stehen. Leider ist mittlerweile jedem klar, dass dies im Profisport oftmals nicht der Fall ist.

 

Das Wachstum der Organe Herz-Kreislauf, Blut und eingeschränkt Lunge bzw. deren Funktionen ist eine faszinierend Fähigkeit des Körpers, sich an Herausforderungen anzupassen. In der Trainingslehre bezieht sich das Prinzip der Superkompensation vornehmlich auf die Energiespeicher und auf die während der Belastungen beeinträchtigten Muskeleiweiße. Langfristig gesehen sind die Adaptionen der Leistungsorgane genauso eine Reaktion in Richtung Leistungssteigerung auf einen überschwelligen Trainingsreiz, also eine Art Superkompensation.